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Bruder Klaus  
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Das Gleichnis vom Rad

1. Teil

Das Gleichnis vom Rad

Um 1487 wurde von Peter Berger in Augsburg das erste gedruckte Werk über den Eremiten im Ranft herausgegeben. Es trug den Titel «Bruder Klaus». Da der Autor unbekannt blieb, bzw. bleiben wollte, jedoch anfangs des Textes von einem Pilger die Rede ist, wird das kleine Druckwerk auch «Pilgertraktat» genannt. – Bei dem Pilger handelt es sich vermutlich um Heinrich Gundelfingen (Professor an der Universität Freiburg im Breisgau), der im Winter 1480/81 BruderKlaus im Ranft besuchte.

 

 

Zwei Missverständnisse von historischer Bedeutung

Bruder Klaus und der Pilger sprechen über den christlichen Glauben, wobei mit «glauben» nicht das «Für-wahr-halten» gemeint ist. Beide sind sich einig, zum echten Glauben gehört das eifrige Beten und vertiefte Meditieren der Glaubensereignisse, wie sie die Bibel vermittelt, der christliche Glaube muss ein gelebter Glaube sein, und dazu ist es nötig, auch die Nächstenliebe als Werke der Barmherzigkeit zu üben.

Im Verlauf des Gesprächs holt Bruder Klaus etwas hervor und zeigt es dem Fremden, vorausgehend sagt er noch: «Wenn es dich nicht verdriesst, so will ich dich auch mein Buch sehen lassen, worin ich lerne ...» Das Wort «Buch» wird hier in übertragener Weise gebraucht (Metapher), denn Bruder Klaus war ja kein Gelehrter im üblichen Sinn, er konnte weder lesen noch schreiben. Der Pilger schildert den Vorgang wörtlich so: «Und er trug mir her verczaichnet ein figur in der gleichnis als ein rad mit sechs spaichen in dieser gestalt als hernach volget» (Abbildung oben rechts). Dieser Satz ist oft missverstanden worden. Der Pilger behauptet jedoch in keiner Weise, dass Bruder Klaus ihm genau diese Skizze gezeigt habe, sondern er schreibt, dass das, was ihm der Eremit zeigte – etwas «Gezeichnetes» oder «Gemaltes» –, so ausgesehen habe wie eben diese Skizze. Einige Zeit – vielleicht mehrere Jahre – später, will sich der Pilger an das gezeigte «Bild» des Eremiten erinnern, es sich in seinen Gedanken ausmalen. Hier ist die Quelle für ein weiteres Missverständnis. Der Pilger behauptet keineswegs, er habe das farbige Bild selber gemalt oder habe die Entstehung veranlasst. Heute ist dieses Bild bekannt als das Sachsler Meditationsbild, es befindet sich in der Pfarrkirche von Sachseln, vorne links zwischen den Seitenaltären. Darum ist mit Fug und Recht anzunehmen, dass Bruder Klaus beim Besuch des Pilgers (vermutlich im Winter 1480/81) das farbige, auf Tuch gemalte Meditationsbild bereits besass und keineswegs die Radskizze, ebenso nicht den einfarbigen Holzschnitt der im Augsburger Druck (um 1487) enthalten ist. Dieser ist eine Nachbildung des gemalten Bildes.

   
Das Gleichnis vom Rad
Das Gleichnis vom Rad
   

Entstehungsgeschichte

Der Holzschnitt (rechts) im sogenannten «Pilgertraktat» entstand frühestens 1486 – in diesem Jahr nahm Peter Berger seine Tätigkeit als Drucker in Augsburg auf –, spätestens 1488 – mit dieser Jahreszahl datiert erschien eine zweite Ausgabe mit neuen Holzschnitten bei Markus Ayrer in Nürnberg.

Das Sachsler Meditationsbild (die einzelnen Medaillons sind im 2. Teil vergrössert abgebildet) entstand nach kunsthistorischen Untersuchungen zwischen 1475 und 1480 (H. Stirnimann, Der Gottesgelehrte Niklaus von Flüe, 190). Gemäss Stirnimann stamme das Bild aus der Region Colmar-Basel, womit er höchstwahrscheinlich recht hat, denn eine gewisse Ähnlichkeit der vier Evangelistensymbole mit denen in der Basler St. Leonhardskirche (Lettner, Iselinjoch) ist unverkennbar.

Gemalt wurde das Bild mit dünner Temperafarbe auf rollbaren Stoff in den Massen: 77 cm breit und 86.5 cm hoch; die Schrift unterhalb wurde erst später hinzugefügt.

Die Mitte bildet ein Medaillon mit einem gekrönten Haupt. Was stellt es dar? Von diesem Rundbild gehen sechs strahlenähnliche Gebilde aus, so dass je drei davon die Spitze einwärts gerichtet haben und ihre äusseren Enden miteinander verbunden ein nahezu gleichseitiges Dreieck bilden, ebenso sind drei Strahlen mit der Spitze nach aussen vorhanden. Das Medaillon ist in der Grundfarbe rot und von einem Goldkreis umgeben; zu diesem konzentrisch angeordnet umschliesst ein etwas breiterer roter Kreis die aussen breit endenden Strahlen, dieser äussere Kreis wird tangiert von sechs weiteren, regelmässig verteilten Medaillons, so dass die Strahlen auf je eines hinzeigen. Diese Rundbilder enthalten folgende Darstellungen:

  1. Verkündigung des Herrn an Maria durch den Erzengel Gabriel, sowie zwei Krücken als symbolische Andeutung für das barmherzige Werk «Kranke besuchen».
  2. Geburt Jesu und ein Wanderstab mit Beutel für «Fremde beherbergen»
  3. Gott-Vater und die Schöpfung, sowie Brotlaib, Weinkanne und Fisch (möglicherweise) für «Hungrige und Dürstende speisen»
  4. Verrat des Judas und Gefangennahme Christi verbunden mit einer symbolisch daliegenden Kette für «Sich um die Gefangenen kümmern»
  5. Kreuzigung Christi und ein Kleid für «Nackte bekleiden».
  6. Konsekration des eucharistischen Brotes und ein Sarg für «Tote begraben».

Diese Medaillons sind ebenfalls goldfarben eingefasst. Daran, sowie an den oberen und unteren Bildrand anschliessend sind die vier mit Spruchbändern versehenen Evangelistenembleme angeordnet, diese sind rot und viereckig eingefasst, ebenso auch das Marienbild im Medaillon der Eucharistiedarstellung. Das Johannessymbol, der Adler, befindet sich dabei links oben, so dass diesem Evangelisten anscheinend ein Vorrang zugestanden wird, obwohl in kanonischer Reihenfolge zuerst Mattäus kommen müsste. Von grosser Bedeutung für die Herkunftsbestimmung wären sodann das Künstlermonogramm (Kreuz und Halbmond) in der Verkündigungsszene, sowie das Stifterwappen in der Eucharistiedarstellung, das eine Zinne, ein Burg- oder Stadttor beinhaltet und dazu ein Schildhaupt oder Namensschildchen, es könnte sich um ein Familien- oder Stadtwappen handeln.

Zweifellos ist der Augsburger Holzschnitt jünger und darum eine Nachahmung des farbigen Bildes. Deshalb wäre es falsch, von Elementen in diesem Holzschnitt aus die Bedeutung von Details im farbigen Bild zu ergründen.

Autor: Werner T. Huber, Dr. theol.


Der Beitrag «Das Gleichnis vom Rad» hat drei Teile.
  • Im 2. Teil werden die einzelnen Rundbilder des Sachsler Meditationsbildes erklärt.
  • Im 3. Teil werden die Beschreibungen des Rades aus dem um 1487 gedruckten Pilgertraktat und aus der biographische Handschrift von Heinrich Gundelfingen, datiert mit 13. August 1488, einander synoptisch gegenübergestellt, so dass durch die auffälligen Gemeinsamkeiten ein Hinweis auf den Verfasser des anonymen Pilgertraktats hervortritt.

 

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