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Presse  
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20 minuten
12. Mai 2009
 
 

Jurafrage

Jurassier klauen den «Mittelpunkt der Schweiz»

Auf dem geografischen Mittelpunkt der Schweiz, auf der Alp Älggi in Obwalden, ist die Spitze der Triangulationspyramide weg gekommen. Damit fehle der Schweiz der Mittelpunkt, teilten die jurassischen Béliers mit.

Triangulationspyramide gestohlen
Archivbild des Mittelpunkts der Schweiz auf der
Älggialp in Obwalden. (Bild: Keystone)

 

Unbekannte Täter aus dem Kreis der jurassischen Separatistenbewegung Béliers haben das Pyramidendach über dem Stein, auf dem der «Mittelpunkt der Schweiz» markiert ist, gestohlen. Dies sagte Toni von Moos, Alpverwalter der Gemeinde Sachseln am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP.
Darüber hinaus steckten die Täter auf der den Mittelpunkt umgebenden Mauer, welche die Grenze der Schweiz wiedergibt, im symbolischen Juragebiet eine Juraflagge ein und markierten mit kleinen Steinen die Grenze des Kantons Jura. Toni Meyer, Gemeindeschreiber von Sachseln, sagte, die Gemeinde werde eine Anzeige wegen Sachbeschädigung machen. Bei der Kantonspolizei Obwalden lag am frühen Dienstagabend noch keine Meldung über den Sachverhalt vor.

Exklusives Bild der gestohlenen Spitze auf der Aelggi Alp!

Exklusives Bild! (Bild: Hans Spichtig)

Diffuses Bekenntnis der Béliers

In einem Reaktionsschreiben teilte die «Groupe Bélier» bereits am Dienstagmittag mit, «vom Verschwinden des Mittelpunkts der Schweiz im Kanton Obwalden vernommen zu haben». Die Béliers begrüssten die Aktion. Es scheine, dass die unbekannten Aktivisten das nationale Interesse auf die Lösung der Jurafrage lenken wollten. «Auch wir denken, dass es Zeit ist, die Kirche wieder in die Mitte des Dorfes zu rücken!», schreiben die Beliers, die ihre Mitteilung mit den Worten schliessen: «Es lebe ein freier und vereinigter Jura von Boncourt bis nach La Neuveville.»

 

Immer wieder spektakuläre Aktionen

Die jurassische Separatistengruppe hat seit ihrer Gründung in den 1960er Jahren immer wieder mit spektakulären Aktionen für Aufmerksamkeit gesorgt. Diese hatten meist einen hohen symbolischen Charakter (siehe Bildstrecke).

Zwei Mal stahlen Angehörige der Beliers den Unspunnenstein; das erste Mal 1984 aus dem Touristikmuseum in Interlaken. Im gleichen Jahr wurde zudem das Soldatendenkmal Fritz in Les Rangiers vom Sockel gerissen. Im Januar 1993 wurde am Berner Nydeggstalden ein 21-jähriges Mitglied der Gruppe bei der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlages in seinem Auto getötet.

Der Mittelpunkt der Schweiz ist 21 Jhare alt

Der Mittelpunkt der Schweiz ist 1988 zum 150-jährigen Bestehen des Bundesamtes für Landestopografie (swisstopo) aus den digitalisierten Landesgrenzen berechnet worden. Der Flächenschwerpunkt des Landes entspricht dem Punkt, auf dem eine Schweizerkarte - auf Karton aufgeklebt und der Grenze nach ausgeschnitten - auf einer Nadelspitze im Gleichgewicht wäre. Der Punkt befindet sich oberhalb einer Felswand (Koordinaten 660.158/183.641). Da ausser den Gemsen kaum jemand Zugang zu diesem Punkt hat, wurde für Besucher 500 Meter südöstlich davon ein Gedenkstein platziert, der den Mittelpunkt der Schweiz symbolisiert. Auf einem Felsbrocken wurde ein Grenzpunkt gesetzt und ein Schweizerkreuz eingemeisselt.

Der Stein lag bisher unter einer Triangulationspyramide mit einer Beschriftung in allen vier Landessprachen, die nach dem Diebstahl zunächst unauffindbar blieb. Am Stein ist eine Plakette mit den Namen der «Schweizer des Jahres» angebracht, die während des Winterhalbjahres jedoch jeweils abgenommen wird.

Quelle: AP

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