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Visionenweg
Der Weg der Visionen ist sowohl ein Wanderweg wie auch
ein Meditationsweg; auf den Wegweisern heisst er auch «Bruder-Klausen-Weg».
Er beginnt thematisch im Flüeli beim Geburtshaus von Bruder Klaus
und endet in der Grabkapelle in Sachseln. Im Wald und auf der Anhöhe
über Sachseln stehen sechs Zeichen (Metallplastiken) von André
Bucher (einem Künstler, der Bürger von Kerns ist und in Genf
lebt), fotografiert von Karl Gähwyler (Luzern).
Visionen sind besondere gottgeschenkte (innere) Erlebnisse
heiligmässiger Menschen, zu denen Bruder Klaus und seine Ehefrau
Dorothea gehören. Der besondere Pilgerweg gilt dem inneren und äusseren
Lebensweg von Bruder Klaus. Die ersten fünf Visionen sind Erlebnisse
von Bruder Klaus, die sechste jedoch ist eine innere Schau von Dorothea.
Vision im Mutterschoss:
Stern, Stein, hl. Öl

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Niklaus von Flüe (Bruder Klaus) erlebte bereits im Mutterleib
Aussergewöhnliches: Er sah am Himmel einen Stern, der die ganze
Welt durchschien. Seit er im Ranft wohne, so sagte er einmal seinem
Freund Erni Anderhalden, habe er stets einen Stern am Himmel gesehen,
der ihm gleiche. Mit diesem Stern ist wohl Christus gemeint, entsprechend
dem Evangelium von Matthäus (2,2) und dem Begriff «Stern
aus Jakobs Haus» (Num 24,17). Bruder Klaus sah auch
einen Stein: dieser symbolisiert die Festigkeit seines Wesens, seine
Beharrlichkeit und Treue zu Gott, zu Wahrheit, Gerechtigkeit und
Frieden. Aber auch dieses Symbol deutet letztlich auf Christus hin,
er ist der Eckstein usw. Ferner sah er im Mutterleib auch
das heilige Öl. (In der Liturgie wird es gebraucht für
die Taufe, Firmung , Priesterweihe und Krankensalbung). Das Öl
deutet ebenfalls auf Christus hin; er ist der Gesalbte (König
und Hohepriester).
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Turm-Vision des 16-Jährigen

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Als Sechzehnjähriger sah Niklaus (so berichtet der Stanser
Pfarrer Heimo Amgrund) einen hohen schönen Turm an der Stelle,
wo jetzt sein Häuslein und die Kapelle steht. Deswegen habe
er von Jugend an die Neigung gehabt, hier die Einsamkeit zu suchen.
Ein Turm steht sonst immer inmitten von Häusern, doch hier
steht er allein da. Er zeigt wie ein Finger aufwärts. Bei Niklaus
deutete sich in diesem Erlebnis sein weiterer Lebensweg an, der
Weg und das Ziel. Aber Bruder Klaus hat damit auch anderen Menschen
etwas zu sagen: In einer Welt, in welcher die Menschen stark ausgelastet
sind mit Sorgen um materielle Dinge, soll die andere Wirklichkeit
nicht vergessen werden: Da oben und da innen ist ein grösserer
Reichtum, etwas, das es zu pflegen und zu hegen gilt, ein Leben
im Reich Gottes. Und von hier aus soll das äussere Leben seine
Bestimmung erfahren. Ein Turm ist ein Akzent, ein Zeichen, das hervorsticht,
aber nicht um der Ruhmsucht zu genügen, sondern um zu helfen,
um Suchenden den Weg zu zeigen.
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Die Entscheidung des
jungen Mannes

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Bruder Klaus begegnete in seinem Herzen öfters der göttlichen
Dreieinigkeit. Ähnlich wie bei Abraham (Gen 18) besuchten ihn
drei wohlgestaltete Männer mit edlem Aussehen. Einer von ihnen
sprach ihn an: «Niklaus, willst du dich nicht ganz in unsere
Gewalt geben?» Darauf antwortete der Eremit: «Niemand
ergebe ich mich als dem allmächtigen Gott, dessen Diener ich
mit Seele und Leib zu sein verlange.» Darauf wandten sie sich
von ihm ab. Zugleich hörte er sie fröhlich lachen. Wieder
ihm zugewandt sprach der gleiche: «Wenn du allein in die ewige
Knecht-schaft Gottes dich versprochen hast, so verspreche ich dir
als sicher, dass, wenn du das siebzigste Jahr erreicht hast, der
barmherzige Gott, deiner Mühen gedenkend, dich von aller Beschwernis
erlöst. Darum ermahne ich dich inzwischen zur geduldigen Ausdauer.
Im ewigen Leben werde ich dir dann die Bärenklaue geben, in
der Fahne des siegreichen Heeres. Zur Erinnerung an uns lasse ich
dir das Kreuz zum Tragen zurück.» Das Leben auf
Erden ist ein Kampf, er soll mit den rechten, gottgefälligen
Mitteln geführt werden. Das ist oft schwer, wie das Tragen
eines Kreuzes. Wer aber mit Geduld ausharrt, wird den Sieg erlangen
- von Karfreitag zu Ostern ...
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Er selbst war der Tabernakel

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Bruder Klaus dankt Gott für sein Leiden und seine Marter (am
Kreuz), dann legt er sich schlafen. In einer Traumvision steht Niklaus
auf einem weiten Platz, in der Mitte sieht er einen Tabernakel,
einen Palast, wo nur wenige Menschen hineingehen. Er tritt ein und
sieht, wie wenige Menschen eine Treppe hinauf- und hinuntersteigen.
Unter der Treppe quillt ein Brunnen hervor mit dreierlei gefüllt:
Wein, Öl und Honig. Der Brunnen fliesst so schnell wie der
Strahl des Blitzes und macht ein so lautes Getöse, dass der
Palast erscholl wie ein Horn. Er will herausfinden woher der Inhalt
des Brunnens kommt. Oben in einem Saal sieht er einen Kasten, er
will draufzugehen, merkt aber, dass er einzusinken droht. Er muss
sich von den Wogen tragen lassen. - Wieder draussen sieht er Menschen
mit allerlei Dingen beschäftigt, alle jagen sie dem Geld hinterher.
Trotzdem sind sie sehr arm. Bruder Klaus erkennt, der wahre Reichtum
kommt aus dem Brunnen im Tabernakel. Dieser Tabernakel ist nichts
anderes als sein Inneres, sein Herz. Den ausführlichen
Text mit Kommentar hierzu finden Sie im Beitrag «Die Brunnenvision
von Bruder Klaus».
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Der Vater, Maria und der
Sohn danken ihm

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Kurz nachdem Bruder Klaus wiederum das Leiden Christi betrachtet
hat und sich schlafen legte, wird er in einem Traum in einen Tabernakel,
einen Palast, geführt. Eine unsichtbare Gestalt (der Heilige
Geist) sagt ihm, er solle jetzt schauen, was der Vater tut. Im Palast
wohnen ein paar Leute in weissen Kleidern. Plötzlich kommt
ein Mann in einer weissen Albe auf ihn zu. Der Unsichtbare sagt
zu diesem: «Hier ist er nun, der deinen Sohn aufgehoben und
getragen hat, der ihm in seiner Angst und Not zu Hilfe gekommen
ist. Dank ihm dafür!» Der Mann (Gottvater) umarmt ihn
und dankt ihm. Bruder Klaus meint aber, er sei doch ganz und gar
unwürdig, er wüsste nicht, dass er seinem Sohn je einen
Dienst erwiesen hätte. - Darauf kommt eine schöne stattliche
Frau (Maria) in einem weissen Kleid auf ihn zu, sie drückt
ihn mit überfliessender Liebe an ihr Herz und dankt ihm ebenfalls,
dass er ihrem Sohn so treu beigestanden habe in seiner Not.
Schliesslich blickt er neben sich und sieht den Sohn auf einem Sessel,
mit einem weissen Kleid, aber besprengt mit Rot. Der Sohn verneigt
sich vor ihm und dankt ihm inniglich, dass er ihm so sehr zu Hilfe
kam in seiner Not.
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Österliches Erlebnis seiner
Frau Dorothee

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Nicht nur Bruder Klaus hatte Visionen,
auch seine Ehefrau Dorothea erlebte eine innere Schau. Am Tag nach
der Grablegung, sieht sie ihren Niklaus über dem Flüeli
(Flue = Felsen) schwebend. Er trug eine weisse Fahne, darin die Bärenklaue.
Die Plastik besteht aus einem Kreuz, das im Boden verankert
ist. Am Kreuz flattert die Siegesfahne mit der Bärenklaue. Umrahmt
wird das Ganze mit zwei Eheringen. Im Leben und über den Tod
hinaus sind liebende Menschen miteinander verbunden. Dorothea lebte
nach der äusserlichen Trennung nicht gleichgültig am Geschick
ihres Mannes vorbei. In Ihrem Herzen trug sie alles mit. Darum verdient
sie es, immer auch mit dem Namen ihres Mannes genannt zu werden. Sie
hat Anteil an seinem charisma-erfüllten Wirken, das durch alle
Zeiten hindurch gegenwärtig ist. Diese Ehe war und ist Vorbild,
besonders für Menschen in der zweiten Lebenshälfte, sie
regt zum Mut an, Gott herzhaft zu dienen und sich für das Wohl
der Mitmenschen grosszügig einzusetzen. |
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